Wer ist der neue, grösste Wettbewerber der Optik seit letztem Jahr?

Viele Gespräche mit unseren Kunden haben mich bewegt, mich auf die Suche nach Gründen für den verhaltenen Konsumtrend bezüglich Brillen zu machen.

Sicher, der eine oder andere Konsument verirrt sich aufgrund vermeintlich günstiger Preise in das benachbarte Ausland und will auch aufgrund des günstigen Eurowechselkurses z.B. in Deutschland „mehr“ für sein Geld bekommen.

Sieht man sich die Situation aber genauer an, kommen interessante Tatsachen zum Vorschein.

Viele Schweizer Konsumenten wissen, dass sie mit ihren lokalen Optikern die richtige Wahl getroffen haben und wollen auch den Optiker nicht wechseln. Allerdings hat sich aufgrund des Wechselkurses das Konsumverhalten verändert, und der Kauf einer neuen Brille ist nach hinten verschoben worden.

Der grösste Konkurrent des gesamten Schweizer Einzelhandels im Konsumgüterbereich – und das betrifft nicht nur die Optik – ist der gehobene Konsumgüterbereich oder besser, der Investitionsgüterbereich. Dies nicht nur durch Käufe im benachbarten Ausland, sondern auch in der Schweiz selbst.

Beleuchtet man z.B. die Neuzulassungen von Personenwagen in der Schweiz in den letzten Jahren, kommen abenteuerliche Ergebnisse hervor.

Die Preise für Personenkraftwagen sind dramatisch unter Druck geraten. Getrieben durch Importe aus dem Ausland sind auch die Preise für Fahrzeuge in der Schweiz nach unten korrigiert worden. Dies zu Lasten der Margen. Es wurden aber deutlich mehr Fahrzeuge verkauft als in den Vorjahren.

Inverkehrsetzung neuer Strassenfahrzeuge 2012:

Januar bis Juni 2012: 250’272 Stück

Januar bis Juni 2011: 224’536 Stück

Gesamtjahr 2011: 443’080 Stück

Geht man also davon aus, dass sich das Halbjahresergebnis 2012 hält, wird sich die Zahl für das Gesamtjahr 2012 auf über 500’000 Stück beziffern.

Rechnen Sie einfach einmal 60’000 Personenwagen mit einem möglichen Durchschnittspreis von 50’000 Franken hoch. Da kommt eine grosse Summe zusammen.

Im Gesamtjahr 2005 waren es beispielsweise „nur“ 356’688 Neuzulassungen.

Die Autohändler haben also bei sinkenden Margen mehr verkauft. Ob diese Situation in den Folgejahren zu grosser Freude führen wird, wage ich zu bezweifeln. Das Absatzloch ist vorprogrammiert, da viele vorgezogene Käufe bei den jetzigen Zahlen dabei sein werden.

Im Ergebnis sieht es für den Detailhandel aber so aus, dass sobald das Geld der Familie in ein neues Fahrzeug investiert wurde, das Geld halt ausgegeben ist. War das Fahrzeug im Familienbudget erst für einen Austausch im Jahr 2013 geplant, nutzt man jetzt gerne die günstigen Preise. In der Folge muss man in anderen Bereichen entsprechend zurückhaltend konsumieren. Das betrifft nicht nur den Fahrer, sondern die gesamte Familie. Die Schweiz hat 3,4 Millionen private Haushalte. Geht es um die Wirkung der Anschaffung von grossen Investitionsgütern ist die Anzahl der betroffenen Haushalte entscheidend. Hier sind zwei Drittel der Schweizer Haushalte sogenannte Mehrpersonenhaushalte.

http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/01/03/blank/key_hhsz.html

Dieses von mir herangezogene Beispiel der Fahrzeuge kann aber durch Möbel, Elektrogeräte, Fernreisen etc. wahllos ersetzt werden.

Die gute Nachricht lautet, dass der Kauf der Brille in vielen Fällen aufgeschoben wird.

Die alles entscheidende Frage ist aber nun, wie die Konsumenten dazu gebracht werden, jetzt doch eine neue Brille zu kaufen.

Ein relativ einfacher Ansatz, der nach diesen Ausführungen quasi auf der Hand liegt, wäre natürlich in Zusammenarbeit mit den Autohändlern über gemeinsame Aktivitäten nachzudenken. Ob und wenn ja wie, muss aber jeder Unternehmer für sich selbst entscheiden.

Der grösste Konkurrent des selbständigen Optikers ist somit nicht der Filialanbieter oder der ausländische Kollege, sondern die grossen Anschaffungen, die jetzt vorgezogen werden.

Ich würde mich freuen, wenn Sie offen und transparent die Diskussion mit mir zu meinen Ausführungen suchen würden. Ich stehe unter diesem Blog sehr gerne zur Verfügung.

Auf der anderen Seite bekommen wir aber unverhofft Schützenhilfe durch die Ordnungshüter in der Schweiz – siehe „Schaffhauser Bock“ von dieser Woche:

BockOnline

Frau hat Brille nicht auf – 900 Franken Busse fällig. Alternativ 5 Tage Gefängnis.

Alle hier aufgelisteten Zahlen sind über die untenstehenden Links problemlos selbst einsehbar. Ich kann nur jedem empfehlen, sich das genau anzusehen.

http://b2b.eurotaxglass.ch/new/index.php?p=mc_pressrel&l=dech&n=10

http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/11/03/blank/key/fahrzeuge_strasse/inverkehrsetzung.html

http://www.schweizer-fahrzeugmarkt.ch/images/Schweizer%20Fahrzeugmarkt%202012.pdf